Verlag Klaus Wagenbach GmbH

Emser Straße 40/41
10719 Berlin-Wilmersdorf

Programm:

Warum so verlegen?

Der Verlag ist unabhängig und macht davon Gebrauch, seine Meinungen vertritt er auf eigene Kosten. Er ist nicht groß, aber erkennbar. Seine Arbeit dient nicht dem Profit, sondern folgt inhaltlichen Absichten:

Wir veröffentlichen Bücher aus Überzeugung und Vergnügen, mit Sorgfalt und Ernsthaftigkeit. Wir wollen unbekannte Autoren entdecken, an Klassiker der Moderne erinnern und unabhängigen Köpfen Raum für neue Gedanken geben. Es erscheinen Literatur, Geschichte, Kunst- und Kulturgeschichte, Politik aus den uns geläufigen Sprachen: Italienisch, Spanisch, Englisch, Französisch und natürlich Deutsch. Und unsere Bücher sollen schön sein, aus Zuneigung zum Leser und zum Autor und als Zeichen gegen die Wegwerfmentalität.

Der Verlag wurde 1964 von Klaus Wagenbach gegründet und wird seit 2002 von Susanne Schüssler geleitet.

Afrika vor dem großen Sprung

Dominic Johnson

Afrika vor dem großen Sprung

Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe

Politik [710]. 2013
144 Seiten
ISBN 978-3-8031-2710-5

Mit dem arabischen Frühling und dem Umbruch in vielen Ländern wurde Dominic Johnsons These für viele überraschend bestätigt: Veränderung von unten ist jederzeit möglich und Afrika ist mitten in vielschichtigen Umwälzungen.

Seit vielen Jahren beobachtet Dominic Johnson die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation in den verschiedenen Ländern des afrikanischen Kontinents. Im Gegensatz zu gängigen Bewertungen hatte er mit seinem Buch schon kurz vor dem arabischen Frühling revolutionäre Umwälzungen prognostiziert. Vor allem im Kontrast zum verbreiteten Blick auf Afrika: mit verhaltenem Optimismus.

Das viel gelobte und breit diskutierte Buch erscheint nun in einer aktualisierten und erweiterten Neuausgabe, die auch die letzten zwei entscheidenden Jahre in den Fokus nimmt. In Tunesien, Ägypten, Südafrika, Libyen, Mali, in Kenia oder dem Kongo verändert sich das Gesicht des Kontinents, nicht zuletzt in den internationalen Beziehungen. Wie über Interventionen in Afrika heute wieder diskutiert wird, wäre bis vor kurzem undenkbar gewesen.

Neue Konstellationen, neue Instabilitäten, neue Probleme, aber auch neue Chancen, und das alles in hoher Geschwindigkeit.

Autoreninfo:

Dominic Johnson ist Afrika-Experte, seit 1990 Redakteur und seit 2011 Auslandschef der taz. Wissenschaftlich arbeitet er zur informellen Wirtschaft in den Krisengebieten des Kongo. Er bereist das Land mehrmals im Jahr und schreibt regelmäßig auch in seinem Blog Kongo-Echo.

Plötzlich umgab uns Stille

Jean Hatzfeld

Plötzlich umgab uns Stille

Das Leben des Englebert Munyambonwa. Erzählung

Aus dem Französichen Ahlrich Meyer
WAT [751]. 2016
112 Seiten. 21 x 19 cm. Broschiert
ISBN 978-3-8031-2751-8

Während des Genozids in Ruanda entkam Englebert einem der schlimmsten Massaker. 20 Jahre später erzählt er vom Überleben und vom Leben danach. Ein erschütternder Appell gegen das Vergessen von einem, der sich nicht mehr erinnern will.

Ohne Unterlass durchstreift Englebert Munyambonwa, ein sechsundsechzig-jähriger Tutsi, die Straßen und Kneipen von Nyamata im Süden Ruandas – stets einen Witz auf den Lippen, ständig in Bewegung. Im Gehen weiche er der Schwarzseherei aus, sagt er. Er wolle sich nicht mehr erinnern.Doch nach ein paar Bier und aus Freundschaft zu dem französischen Journalisten, mit dem er so gern plaudert, beginnt Englebert zu erzählen: von einem Leben voller Brüche und Neuanfänge, von den ersten Verfolgungen durch Hutu in den sechziger Jahren und von den Hoffnungen junger afrikanischer Intellektueller. Immer wieder flammt der Hass zwischen Hutu und Tutsi auf und treibt Englebert mit seiner Familie zur Flucht. Und immer wieder kehren sie zurück – bis zum Massaker von Nyamata, bei dem 1994 mehr als 45?000 Menschen niedergemetzelt werden. Englebert überlebt in den Sümpfen, vier Wochen lang, jeden Tag aufs Neue bedroht.Kaum jemand hat sich der Aufarbeitung des Genozids in Ruanda derart verschrieben wie der französische Journalist und Romancier Jean Hatzfeld. Bei seinen Recherchen in Nyamata lernte Hatzfeld auch Englebert kennen. Nun leiht er ihm seine Stimme – für das so beeindruckende wie bedrückende Porträt eines Lebens und der ausweglosen Flucht vor der Erinnerung.

Autoreninfo:

Jean Hatzfeld, 1949 auf Madagaskar geboren, ab Mitte der siebziger Jahre Reporter für Libération. Basierend auf seinen Erfahrungen in Kriegsgebieten in aller Welt, vor allem im Jugoslawienkrieg, schrieb er vier Romane. 1994 kam er nach Ruanda und widmete sich dem Genozid an den Tutsi fortan in drei preisgekrönten Büchern, von denen zwei auf Deutsch erschienen sind. Mit Plötzlich umgab uns Stille wird Hatzfeld erstmals im Verlag Klaus Wagenbach vorgestellt.

Iman

Gebundene Ausgabe

Ryad Assani-Razaki

Iman

Aus dem Französischen von Sonja Finck
Quartbuch. 2014
320 Seiten. Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-8031-3254-3
Taschenbuchausgabe

Ryad Assani-Razaki
Iman

Aus dem Französichen von Sonja Finck
WAT [750]. 2016
320 Seiten. 12 x 19 cm. Broschiert
ISBN 978-3-8031-2750-1

Drei junge Menschen begegnen sich in einem namenlosen afrikanischen Land. Ineinander verklammert trotzen sie der brutalen Realität, nähren den Glauben an echte Liebe und eine Zukunft. In diesem wuchtigen, fiebrigen Buch stecken neben der Tragödie Afrikas auch seine Kraft und sein Reichtum.

Es war einmal ein sechsjähriger Junge mit schwarzer Haut, der wurde von seinen Eltern für dreiundzwanzig Euro verkauft. Eine fremde Frau nahm Toumani mit in die große Stadt. Dort traf er Alissa, die sein Schicksal teilte, und bekam einen Plastikohrring als Pfand. Toumani wurde verkauft an einen grausamen Mann, dem er fortan dienen musste. Er lernte rohe Gewalt kennen und Willkür und kam beinahe ums Leben. Gerettet aus höchster Gefahr von einem Jungen mit Namen Iman verlor Toumani ein Bein – und gewann einen Freund auf Leben und Tod:

Doch Iman trug schwer am eigenen Schicksal. Nicht schwarz, nicht weiß, von der Mutter verstoßen, ging sein Blick in die Ferne. Er kannte nur eine Hoffnung: die Flucht. Bis eines Nachts Alissa ihn ansah und festhielt, obwohl sie zu Toumani gehörte …
Dieser aufwühlende Roman kreist um das Leben dreier junger Menschen in Afrika. Voller Sehnsucht nach Halt erfahren sie Freundschaft und Liebe, Hass und Verrat. Was klingt wie ein grausames Märchen, ist bitter und wahr. Assani-Razaki zeigt unvergesslich, was Menschen dazu bewegen kann, alles hinter sich zu lassen und ihr Leben einem Boot zu überantworten, mit Kurs
auf Europa.

Autoreninfo:

Ryad Assani-Razaki wurde 1981 in Benin geboren. Seine literarische Bildung verdankt er der Bibliothek seiner Mutter. 2004 wanderte er nach Québec aus, studierte Informatik und arbeitet seither in großen Computerfirmen in Toronto und Montreal. Nach einem preisgekrönten Erzählungsband ist Iman (La main d'Iman) sein erster Roman, der 2011 den Preis Robert-Cliche für das beste Debüt gewann.

Leo Africanus

Natalie Zemon Davis

Leo Africanus

Ein Reisender zwischen Orient und Okzident

Aus dem Englischen von Gennaro Ghirardelli.
Sachbuch. 2008
400 Seiten. Gebunden mit Schildchen und Prägung
Mit zahlreichen Abbildungen

ISBN 978-3-8031-3627-5

Die große Historikerin Natalie Zemon Davis erzählt die exemplarische Lebensgeschichte des Leo Africanus wie einen Abenteuerroman: als Muslim geboren, von Katholiken vertrieben, von Piraten gefangengenommen und vom Papst getauft.

Der Versuch, Islam und Christentum miteinander zu vereinen und gleichzeitig zu leben, reicht weiter zurück, als man denkt: Leo Africanus ist eine schillernde Figur der Renaissance, ein Vermittler zwischen den Kulturen, zwischen Afrika und Europa. Geboren als al-Hasan ibn Muhammad al-Wazzan im damals noch muslimischen Granada, hat der lateinisch »Leo Africanus« genannte Al-Wazzan Spanien als Kind nach der Reconquista 1492 verlassen und ist mit seiner Familie nach Marokko übergesiedelt. Von Piraten gefangengenommen, gelangt er 1518 nach Rom. Er konvertiert vom Islam zum Christentum und wird von Papst Leo X. auf den Namen »Giovanni Leone de’ Medici« getauft.

Wieder einmal gelingt es Natalie Zemon Davis, auf der Grundlage einer außergewöhnlichen Biographie die Geschichte einer ganzen Epoche zu rekonstruieren. So macht Geschichte Spaß – und man vergisst mitunter vollkommen, dass man es hier mit Wissenschaft zu tun hat …


Pressestimme: »Eine spannungsreiche Betrachtung über Toleranz in einer spannungsreichen Zeit.«
Independent on Sunday

Kilimandscharo

Christof Hamann , Alexander Honold

Kilimandscharo

Die deutsche Geschichte eines Berges

Sachbuch [634]. 2011
192 Seiten. Gebunden mit Schildchen und Prägung
Mit vielen Abbildungen

ISBN 978-3-8031-3634-3

Der Kilimandscharo – Mythos und Sehnsuchtsort: Christof Hamann und Alexander Honold erzählen die faszinierende Biographie des »höchsten deutschen Berges«.
Der Kilimandscharo ist aber auch ein Politikum: Noch Mitte des 19. Jahrhunderts stritt man in Europa darüber, ob es möglich sei, dass ein Berg so weit im Süden Afrikas Schnee tragen könne.

Deutsche Missionare hatten das behauptet, ein englischer Forscher sie als dumm verhöhnt. So beginnt die Inbesitznahme einer Region und der Wettkampf zwischen den europäischen Kolonisatoren. Am Ende wird das gesamte Gebiet vorübergehend deutsche Kolonie, der Kilimandscharo Deutschlands höchster Gipfel. Und der Kilimandscharo ist Sehnsuchtsgegenstand: Abenteurer und Forscher versuchen im 19. Jahrhundert den Berg zu vermessen, Flora und Fauna zu erkunden, Proben abzugreifen, zu beschreiben und schließlich den Gipfel zu besteigen, was 1889 Hans Meyer, Sohn des Verlagsgründers Meyer (Konversationslexikon), gelang. Noch heute scheint die Sehnsucht ungebrochen: Jährlich versuchen Tausende den Gipfel zu bezwingen – hauptsächlich Deutsche.

Pressestimme:

»Ein schönes, schön gemachtes Buch über einen fernen Berg und seine Nähe.«
Georg Patzer, Stuttgarter Zeitung

Sahara

Taschenbuchausgabe

Ralph A. Austen

Sahara

Tausend Jahre Austausch von Ideen und Waren

Aus dem Englischen von Matthias Wolf
WAT [716]. 2013
272 Seiten
mit vielen Bildern und Karten
ISBN 978-3-8031-2716-7

Durch kahle Ebenen, Plateaus und Felsbrocken wurden seit dem Mittelalter wichtige Handelsstraßen angelegt: Von der Blütezeit der Kamelkarawanen bis zur Eisenbahnlinie zwischen Sudan und Atlantik fanden Waren, Ideen und Weltbilder auf diesen Wegen ihre Verbreitung – ein früher Meilenstein der Globalisierung.

Man stellt sich die Sahara (arabisch für »Wüste«) als unermessliche Sandwüste vor, doch besteht sie zu großen Teilen aus unwegsamem Geröll. Das riesige Gebiet trennt die Länder des südlichen Mittelmeerraums vom tropischen Afrika. Seit dem 7. Jahrhundert wurde hier einer der wichtigsten Handelswege zwischen Nord und Süd gebahnt – eine historische Verkehrsader, die ihre Bedeutung bis Mitte des 20. Jahrhunderts behielt.



Die Seewege entdeckte man erst nach und nach, und so wurden materielle Güter, Ideen und kulturelle Neuheiten über tausend Jahre lang zunächst mit Kamelkarawanen, später – forciert durch die europäischen Kolonialmächte – auf Eisenbahngleisen transportiert: Gold und Sklaven in den Norden, und mittelmeerische, vor allem islamische Kultur in den Süden. Der Islam brachte Afrika nicht nur ein Rechtssystem, das die Grundlage aller künftigen Handelsbeziehungen bildete, sondern auch Alphabetisierung und einen kosmopolitischen Wissensspeicher, wodurch das Gebiet zwischen Atlantik und Rotem Meer zu einem Zentrum der afrikanischen Welt wurde. Eine – in angelsächsischer Tradition – glänzend geschriebene Kulturgeschichte Afrikas, sorgfältig ausgestattet und mit zahlreichen Bildern und Karten illustriert.